Francesco Schettino: Prominent wider Willen

Costa Concordia

von tina am 18. Januar 2012 · 0 Kommentare

Einmal berühmt sein will wohl jeder. Doch Francesco Schettino wird sich aktuell nur wünschen, einfach von der Erdoberfläche zu verschwinden. Denn das Medienecho ist groß. Sein Name und Portrait prankt weltweit auf den Titelblättern der wichtigsten Zeitungen. Darunter stehen unrühmliche Schlagzeilen wie: “Der Lügen-Kapitän”, “Feigling” oder “Versager-Kommandant”.

Der Kapitän des vor der italienischen Küste havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, bei dem nach aktuellem Stand 11 Menschen ums Leben kamen und noch 22 vermisst werden, wurde wenige Stunden nach dem Unglück fest genommen.

Laut Zeitungsberichten soll der Kapitän den Unfall verursacht haben, indem er sich vor der Insel Giglio mit dem Schiff “verbeugen” wollte. Bei dem Manöver, das er ohne Hilfe von Bordcomputern durchführte, sei er dann in niedrige Fahrgewässer gekommen und habe zu spät abgedreht. Dabei ist das Schiff auf einen Felsen aufgelaufen und hat ein 70 Meter langes Leck in die Backbordseite der Concordia gerissen, was schließlich zu der Katastrophe führte: Das Schiff lief voll Wasser und kippte auf die Seite. An Bord brach Panik aus.

Zudem soll er sich während der Evakuierung der Costa als einer der ersten in Sicherheit gebracht haben und weigerte sich trotz mehrfacher Aufforderung der Küstenwache wieder an Bord zu gehen. Viele Gäste fühlten sich während des nächtlichen Unglücks an Titanic erinnert, nur dass damals der Kapitän als letzter von Bord ging, nämlich gar nicht. Schettino dagegen ließ seine 3200 Passagiere und sein Schiff, für die er die Verantwortung trug, im Stich und flüchtete in ein Rettungsboot.

In einer ersten Anhörung vor der Haftrichterin redete er sich um Kopf und Kragen, gab an, er sei während der Evakuierung der Passagiere gestolpert und “zufällig von Bord genau ins Rettungsboot gefallen”.

Die Staatsanwaltschaft vermutet indes, dass Schettino das Schiff verließ, um Beweismaterial zu vernichten oder zumindest zu manipulieren. Dennoch wurde der Haftbefehl inzwischen wieder aufgehoben und der Kapitän unter Hausarrest gestellt, da laut Haftrichterin keine Fluchtgefahr mehr bestehe.

Schettino wird seitens der Staatsanwaltschaft die fahrlässige Tötung von mindestens 11 Menschen, die Herbeiführung eines Schiffbruchs und das Verlassen des Schiffs während der Evakuierungsarbeiten vorgeworfen. Zudem trägt er Schuld an einem Gesamtschaden von etwa einer Milliarde Euro. Sollten die Rettungskräfte eine Ölkatastrophe des beschädigten Schiffs nicht verhindern können, wird sich der Schaden weiter maximieren. Schettino drohen bis zum 15 Jahren Haft.

Bildquelle: Rvongher | Wikimedia CC BY-SA 3.0

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